Hiberniaschule Herne mit dem Theaterstück „Rote Zora“ – Bühnenaufbau durch die Eltern

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In der achten Klasse steht das erste von zwei Schauspiel-Projekten im Jahresprogramm: für meiner Tochter und ihre Klassenkameraden mit dem Stück „Die rote Zora“. Ein strenger Plan macht es in sechs Wochen möglich neben dem laufenden Unterricht ein 2-stündiges Stück mit aufwendigem Bühnenbild auf die Beine zu stellen.

Zu diesem Zweck wurde uns Eltern bereits vor den Ferien ein umfangreicher Plan für die sechs Wochen bis zur Aufführung vorgelegt, in dem auch wir eine zentrale Rolle spielen sollten, nämlich beim Bühnenaufbau. Nachdem die Achtklässler bereits am Freitagnachmittag Wände,  größere Requisiten und Bühnenmaterial tatkräftig auf die Bühne getragen 20170902_150359[1]hatten, setzte unser voller Arbeitstag am Samstag, den 2. September 2017  um 9.30 Uhr an.

Ich war  Fall neugierig zu sehen, wie eine andere Theaterpädagogin die Arbeit und Eltern- und Kinderschar strukturiert und organisiert und worauf sie bei der Koordination achtet. Die Theaterpädagogin hatte dies von Anfang an gut im Griff und behielt stets alles im Blick. Ihre Organisation durch Listen – an einer Tafel sichtbar – war sehr erfolgreich. Der Klassenlehrer stand ebenfalls helfend zur Seite und packte überall mit an.

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Es gab mehrere einzelne Baustellen passend zu den Szenen: (im Panormabild zu sehen von links nach rechts) die Hütte für Gorian, die Schänke,  das Rathaus mit dem Verlies, die Bäckerei, die Burg, der Brunnen (in der Mitte) und der Steg (vor der Bühne links). Die Männer haben sich für das Zimmern, Sägen und Schrauben entschieden, die Frauen haben gepinselt. Ich zum Beispiel habe das Mauerwerk des Kerkers zusammen mit einer Mama und ihrem Kind gemalt, während meine Tochter das Kerkerfenster mit ihrem  Klassenkameraden  und dem Klassenlehrer baute. Farben, Holz und Werkzeug brachten die Eltern ebenso mit wie Snacks für zwischendurch. In einer Pause mit belegten Brötchen beratschlagten wir  den Fortgang der Arbeit. Wir waren skeptisch, ob wir fertig würden und was noch alles zu tun sei.

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Detail Kneipe Adria auf der Hauptbühne

Mit etwas Abstand zum Bühnenbild stellten wir am Nachmittag fest, dass das Rathaus nur nach einer in der Luft hängenden Tür aussähe und links und rechts dazu noch etwas passieren müsste, damit der überwältigende Eindruck von Macht auch symbolisch im Bild seinen Ausdruck fände.

Ich fragte mich, warum mir die „Andeutung“ von Rathaus hier nicht genauso ausgereicht hätte wie sonst auch in meinen eigenen  eher spartanischen Bühnenbildern. Die Erklärung ist einfach: wenn ich an einigen Stellen ins Detail gehe, dann muss ich das konsequent beim Bühnenbild durchhalten. Wie bei einem Comic bin ich bereit, Lücken zu füllen, wenn das gesamte Bild auf Lücke setzt. Einfache Comiczeichnung meets fotorealistische Zeichnung? Der Betrachter verlangt nach den Gesetzen der Ästhetik das Ausfüllen der Lücken bis zu diesem Grad, sonst wirkt es ungleichmäßig, die  Wahrnehmung wird irritiert. Es geht nicht darum, dass ich nicht an der Tür erkenne, dass es ein Haus sein könnte, sondern es wirkt durch die anderen Details unvollständig.

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Panoramabild der gesamten Bühne

Für die Jugendlichen ist das Bespielen einer ausgefüllten, detailreichen Bühnenlandschaft sicher einfacher als eine spartanische, denn sie finden sozusagen eine Als-ob-Welt vor und müssen sich diese nicht vor ihren Augen schaffen und dann dem Publikum zusätzlich imaginieren. Das ist vermutlich die gleiche Erleichterung wie die vorbereitete Szenerie beim Film.

Viele Hände schaffen viel, war der allgemeine Tenor. Und Spass machte es der gesamten Gemeinschaft zudem. Die meisten Kinder allerdings verabschiedeten sich nach einiger Zeit des Mitwirkens, spielten draußen  Ball, vergnügten sich am Handy oder tollten in der Umkleide herum. Das gilt nicht für alle Kinder, einige waren die ganze Zeit wie wir am Werk und haben kräftig mitgeholfen.

Um ca. 15 Uhr wurden die Malerarbeiten von Stellwänden und Brunnen beendet. Zum Schluss holte die Theaterpädagoin eine Tafel hervor und hakte ab, was erledigt war. Daraus ergab sich, dass wir zwar nicht alle einen zweiten Samstag in die Schule mussten, dennoch kam nochmals eine kleine Arbeitsgruppe zusammen, um die verbleibenden Arbeiten zu erledigen. Inzwischen sogar mehr als einmal – wie ich hörte. Um kurz vor vier entließ uns die Leiterin des Stücks hochzufrieden. Die Eltern wirkten entspannt und fröhlich, denn alle hatten richtig was geschafft und die Elterngemeinschaft kam sich näher.

Mein Fazit: Man sollte als Lehrer/Theaterpädagoge den Eltern beim sogenannten „armen Theater“ ruhig mehr zutrauen.

Zusehen wird das Stück mit PAUSE übrigens auch sein:

Samstag, 14. Oktber 2017 um 18 Uhr und am Sonntag, 15. Oktober 2017 um 15 Uhr

AULA der Hiberniaschule Herne

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